Hardware-Knappheit: So reagieren Unternehmen, wenn IT-Hardware schwer zu beschaffen ist

Hardware-Knappheit und die Abhängigkeit von Beschaffungszyklen
Die Hardware-Knappheit in der IT macht Verfügbarkeit, Preise und Lieferzeiten von Hardware weniger vorhersehbar. Betroffen sind etwa Server-Arbeitsspeicher, SSDs und Storage-Systeme. Ein Grund dafür ist unter anderem die wachsende Nachfrage durch Data Center und künstliche Intelligenz.
Für Unternehmen besteht das Hauptrisiko darin, von Beschaffungszyklen abhängig zu bleiben. Die Folgen sind verschobene Projekte, verzögerte Hardware-Erneuerungen und Entscheidungen unter Zeitdruck. Besser schützt ein neuer Ansatz: Er verlagert den Fokus von der Beschaffung auf die Verwaltung der bestehenden IT-Infrastruktur.
In diesem Beitrag zeigen wir, wie ein 24/7-Management des Data Centers dabei hilft, die bestehende Umgebung zu erhalten. Außerdem erläutern wir, wie ein CAPEX/OPEX-Mix und nutzungsbasierte Modelle den Zugang zu neuer Kapazität flexibler machen.
Was bedeutet Hardware-Knappheit für Unternehmen?
Für ein Unternehmen bedeutet Hardware-Knappheit, auf einem weniger berechenbaren Hardware-Markt zu agieren. In den meisten Fällen lassen sich die Komponenten weiterhin beschaffen. Die Konditionen ändern sich jedoch häufiger als früher. In der Praxis wird die Planung dadurch komplexer: Jedes Infrastrukturprojekt braucht mehr Vorlauf, häufigere Prüfungen und größere Puffer bei Kosten und Zeitplan.
Die häufigsten Anzeichen sind:
- stärker schwankende Preise und Preislisten
- Konfigurationen, die nicht immer in der gewünschten Form verfügbar sind
- weniger vorhersehbare Lieferzeiten für IT-Hardware
- Schwierigkeiten, Investitionsfenster, Verfügbarkeit der Komponenten und operative Prioritäten in Einklang zu bringen
Ein wesentlicher Treiber der Hardware-Knappheit ist das Wachstum von Data Centern und KI-Workloads. Dadurch fließt ein Teil der Produktionskapazität in leistungsstarke Speichertechnologien. Dazu zählen der DRAM in Server-Speichermodulen und der NAND-Flash in Enterprise-SSDs. Die Auswirkungen reichen bis zu Storage und Serverkonfigurationen und fallen von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich aus.
Warum setzt Hardware-Knappheit die Beschaffung und langfristige Projekte unter Druck?
Die Hardware-Knappheit setzt die IT-Beschaffung unter Druck, weil sich Angebote, Verfügbarkeit und Lieferzeiten schneller ändern als die Budgetzyklen. Passen die CAPEX-Investitionsfenster nicht zu dem, was der Markt gerade liefern kann, richtet sich die Planung nach den Vorgaben der Lieferanten. Langfristige Projekte verlieren dadurch einen festen Termin.
Faktisch wechselt die Planung von einer bedarfsorientierten Logik zu einer Logik, die sich am aktuell Beschaffbaren orientiert. Hardware-Erneuerungen, Storage-Erweiterungen und Migrationen verschieben sich. Initiativen wie Datenplattformen, Data Analytics, KI-Pilotprojekte oder die Eröffnung neuer Standorte bleiben in der Schwebe. Die Schwachstelle entsteht oft schon vor der Bestellung. Ohne kontinuierliche Überwachung und Planung der Infrastruktur wird jede Marktveränderung schnell zum Beschaffungsnotfall.
Die drei Risiken der Hardware-Knappheit für Infrastruktur und Geschäftsbetrieb
Hardware-Knappheit setzt Unternehmen drei zentralen Risiken aus: unzureichende Kapazität, reaktive Beschaffung und eine blockierte Technologie-Roadmap. Das erste Risiko betrifft Performance und Kontinuität der Systeme. Das zweite betrifft die wirtschaftliche und technische Qualität der Entscheidungen, das dritte die Fähigkeit, neue Projekte zu starten. Die drei Risiken verstärken sich häufig gegenseitig.
- Unzureichende Kapazität. Arbeitsspeicher, Storage oder Rechenleistung sind erschöpft, bevor neue Hardware verfügbar ist. Für das Geschäft bedeutet das Verlangsamungen, Störungen und ein höheres Risiko ungeplanter Ausfälle.
- Reaktive Beschaffung. Unternehmen bestellen Hardware unter Zeitdruck und akzeptieren die Konfigurationen und Konditionen, die gerade verfügbar sind. Die Folgen sind weniger kontrollierte Kosten, ein geringerer Verhandlungsspielraum und technische Kompromisse.
- Blockierte Technologie-Roadmap. Unternehmen verschieben Projekte, bis Kapazität verfügbar ist oder das Budget neu berechnet wurde. Die Auswirkungen auf das Geschäft: Verzögerungen bei Daten- und Analytics-Initiativen, KI, neuen Standorten, Anwendungen und digitalen Services.
Von der Beschaffung zum Management: Warum braucht die Infrastruktur einen anderen Ansatz?
Ein beschaffungsorientierter Ansatz koppelt die Kontinuität der Infrastruktur an den Zeitpunkt des Kaufs. Unternehmen kaufen, wenn die Kapazität erschöpft ist, zu den aktuellen Marktbedingungen. Ein managementorientierter Ansatz geht von der bestehenden Umgebung aus. Er hält sie unter Kontrolle und nutzt Daten, um zu entscheiden, wann und wie neue Kapazität beschafft wird. Genau dieses Modell verringert die Anfälligkeit für Hardware-Knappheit.
Der managementorientierte Ansatz stützt sich auf zwei Hebel, die sich ergänzen. Der erste betrifft die Gegenwart: Die bereits installierte Infrastruktur soll mit kontinuierlichem Monitoring und laufender operativer Betreuung optimal arbeiten. Der zweite betrifft die Zukunft: Neben klassischen Investitionen kommt nutzungsbasierte Kapazität für Workloads hinzu, die Flexibilität erfordern.
Wie schützt ein Managed Data Center die bestehende Infrastruktur?
Bei einem Managed Data Center übernimmt ein spezialisiertes Team die tägliche Verwaltung der Infrastruktur: Monitoring, Updates sowie Incident- und Change-Management. In Zeiten der Hardware-Knappheit arbeiten Server und Storage, die bereits im Einsatz sind, dadurch optimal. Zudem lässt sich ihre Nutzungsdauer kontrolliert verlängern, während die Erneuerungszyklen der Hardware tendenziell länger werden.
Wenn sich Erneuerungen und Erweiterungen verzögern, hilft ein Managed Service, vier Ergebnisse zu erreichen:
- Kontinuierliche Kontrolle durch proaktives Monitoring von Compute, Arbeitsspeicher, Storage und Performance
- Langfristige Stabilität durch ein strukturiertes Patch- und Update-Management
- Betriebskontinuität durch ein Incident- und Change-Management, das die Auswirkungen von Störungen auch außerhalb der Geschäftszeiten begrenzt
- Besser planbare Betriebskosten in einem Umfeld, in dem sich Preise und Verfügbarkeit von Hardware häufig ändern
Ein Managed Data Center lässt sich durch ein Network Operations Center (NOC) ergänzen. Das NOC überwacht Systeme und Netzwerke und erkennt Anomalien, bevor sie zu Störungen werden. Sofern die Anforderungen an die Kontinuität es erfordern, sichert eine 24/7-Betreuung durch das NOC die verlängerte Nutzungsdauer der Infrastruktur ab.
Wie verringert ein CAPEX/OPEX-Mix die Abhängigkeit von Beschaffungszyklen?
Ein CAPEX/OPEX-Mix verringert die Abhängigkeit von Beschaffungszyklen, weil er den Zugang zu neuer Kapazität auf Direktinvestitionen und nutzungsbasierte Services verteilt. Stabile Workloads können im Investitionsmodell bleiben. Variable Workloads oder solche für neue Projekte werden dagegen als Service bezogen. Die passende Kombination legen Unternehmen auf Basis realer Daten für jeden Workload einzeln fest.
Je nach Eigenschaften der Workloads kommen folgende Ansätze infrage:
- Stabiler, planbarer und langfristiger Workload: klassisches CAPEX, Kapazitätsplanung und geplante Erneuerung
- Schrittweises, aber unsicheres Wachstum: CAPEX/OPEX-Mix und erweiterbare Kapazität
- Lastspitzen, Tests, neue Daten- oder KI-Projekte: nutzungsbasierte Kapazität oder Cloud, sofern technische und wirtschaftliche Anforderungen dafür sprechen
- Bestehende kritische Infrastruktur, die stabilisiert werden muss: Monitoring, Data-Center-Management und operative Betreuung vor neuen Investitionen
Eine Planung nach Workloads bildet die Grundlage einer gut geplanten Hybrid Cloud. Eine solche Architektur kombiniert On-Premises-Ressourcen, gemanagte Data Center und Public-Cloud-Services je nach den Anforderungen des jeweiligen Workloads.
Was ist HPE GreenLake und wann hilft es bei Hardware-Knappheit?
Mit nutzungsbasierten Infrastrukturmodellen für den On-Premises-Betrieb nutzen Unternehmen Rechen- und Storage-Ressourcen im eigenen Data Center oder in einer Colocation. Bezahlt werden diese Ressourcen nach einer Service-Logik statt über einen einmaligen Kauf. HPE GreenLake ist eines dieser Modelle. Die Hardware bleibt in der Umgebung des Unternehmens. Die Kosten richten sich nach der Nutzung, gemäß den vertraglichen Bedingungen.
Bei Hardware-Knappheit verlagert ein nutzungsbasiertes Modell wie HPE GreenLake einen Teil der Planung vom einzelnen Beschaffungsfenster auf eine längerfristige Servicevereinbarung. Verfügbare Kapazität, Wachstumsspielräume und die Art der Erweiterung legt das Unternehmen gemeinsam mit dem Provider fest. Dabei gelten die Grenzen, die in der Vereinbarung festgelegt sind.
Was sollten Unternehmen vor der Einführung prüfen?
Ob ein nutzungsbasiertes Modell passt, hängt vom Kontext ab. Entscheidend sind die Eigenschaften der Workloads, das erwartete Wachstum und die Sicherheitsanforderungen. Ebenso wichtig sind die vereinbarte Mindestkapazität, die SLAs (Service Level Agreements), die Vertragslaufzeit und die Gesamtbetriebskosten. Diese Modelle sehen in der Regel Mindestabnahmen vor. Diese gilt es mit der tatsächlichen Entwicklung der Workloads und mit dem Szenario einer klassischen Beschaffung zu vergleichen.
Wie begleitet ACS Unternehmen beim Data-Center-Management und bei HPE GreenLake?
Um operatives Management und nutzungsbasierte Kapazität zu verbinden, braucht es ein Vorgehen, das vom tatsächlichen Zustand der Infrastruktur ausgeht. Eine Bewertung von bestehenden Systemen, Workloads und Projekt-Roadmap zeigt, welche Ressourcen im Investitionsmodell bleiben. Ebenso wird klar, welche Ressourcen an einen Managed Service gehen und welche in ein nutzungsbasiertes Modell wechseln.
Operatives Management und nutzungsbasierte Kapazität sind vor allem über Daten miteinander verbunden. Das kontinuierliche Monitoring der bestehenden Umgebung liefert Informationen zu Auslastung, Restkapazität und Entwicklung der Workloads. Diese Informationen dienen auch dazu, ein mögliches nutzungsbasiertes Modell zu dimensionieren. Operatives Management und Kapazitätsplanung sind deshalb wirksamer, wenn sie auf denselben Monitoring-Tools und derselben operativen Betreuung beruhen.
Beim Thema nutzungsbasierte Kapazität ist ACS HPE Platinum Partner Ready Solution Provider und begleitet Unternehmen bei der Planung und Einführung von HPE GreenLake. Dadurch lassen sich Managed Services für das Data Center und nutzungsbasierte HPE-Kapazität in einem gemeinsamen Vorgehen verbinden. Ziel ist eine elastischere Infrastruktur, die weniger von den Beschaffungszyklen für Hardware abhängt.
Was können Unternehmen jetzt tun? Eine Checkliste gegen die Folgen der Hardware-Knappheit
Um die Folgen der Hardware-Knappheit zu verringern, braucht es konkrete Maßnahmen, die Unternehmen sofort anstoßen können. Ausgangspunkt ist eine objektive Messung, wie die Infrastruktur tatsächlich genutzt wird. Auf dieser Basis lassen sich Dringlichkeiten von strategischen Entscheidungen unterscheiden. Zudem wird klar, was über Investitionen, Managed Services oder nutzungsbasierte Kapazität gelöst werden sollte.
- Die tatsächlich genutzte Kapazität messen und mit der installierten oder zugewiesenen Kapazität abgleichen
- Workloads als kritisch, stabil, variabel oder saisonal einstufen
- Server, Storage und Netzwerk darauf prüfen, ob sie eine spätere Erneuerung verkraften
- Dringende Anschaffungen von strategischen Investitionen trennen
- Die kritischsten Konfigurationen frühzeitig planen
- Kontinuierliches Monitoring und laufende operative Betreuung für die bestehende Infrastruktur sicherstellen
- Für Workloads mit Flexibilitätsbedarf einen CAPEX/OPEX-Mix prüfen
FAQ
Betrifft Hardware-Knappheit nur große Unternehmen?
Hardware-Knappheit kann Organisationen jeder Größe treffen. Wie stark, hängt von der Restkapazität, der Kritikalität der Systeme, dem Grad der Redundanz und der Qualität der Planung ab.
Lohnt es sich, die Erneuerung der Infrastruktur zu verschieben?
Eine spätere Erneuerung kann tragbar sein, wenn die Systeme noch Support erhalten, überwacht werden und über ausreichende Restkapazität verfügen. Riskant wird es, wenn Daten zu ihrem Zustand fehlen oder wenn sie kritische Workloads nahe an der Belastungsgrenze betreiben.
Was unterscheidet ein Managed Data Center vom klassischen technischen Support?
Der klassische Support greift auf Anfrage ein, wenn ein Problem auftritt. Bei einem Managed Data Center übernimmt ein spezialisiertes Team die Infrastruktur dagegen dauerhaft. Dazu gehören proaktives Monitoring, definierte Prozesse für Patches, Incidents und Changes sowie, sofern vereinbart, die Betreuung durch ein NOC. Der Schwerpunkt verlagert sich damit von der Reparatur zur Prävention.
Beseitigt die Cloud den Hardware-Engpass?
Nein. Die Cloud kann den Zugang zu Kapazität für bestimmte Workloads flexibler machen. Auch die Cloud-Anbieter sind jedoch auf demselben Komponentenmarkt aktiv. Zu prüfen bleiben außerdem laufende Kosten, Performance, Sicherheit und Abhängigkeiten zwischen Anwendungen.
Ist HPE GreenLake für jede Infrastruktur geeignet?
Ob HPE GreenLake passt, hängt vom Kontext ab. HPE GreenLake kann sich für Workloads mit schrittweisem Wachstum oder schwankender Nachfrage eignen, die On-Premises oder in einer Colocation bleiben müssen. Für sehr stabile Workloads kann eine geplante CAPEX-Investition besser passen.
